Aus dem Sanella-Album Australien Neuseeland

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Tanz und Krieg

Wir werden eingeladen, die Nacht im Pah zu verbringen. Im Whare Manuwhiri, im Gästehaus des Dorfes, richten wir uns häuslich ein. Boden und Wände sind mit schön geflochtenen Flachsmatten bedeckt. Der Flachs, der vor allem in den sumpfigen Gegenden Neuseelands wächst, wird bei den Maoris für alles mögliche verwandt. Aus Flachs fertigen sie Kleidung an, knüpfen sie Netze und Schlingen für Fischfang und Jagd, drehen sie Stricke für den Hausbau und flechten sie Matten für ihre Hütten und - die Touristen. Abends tanzen die Maoris. Die Mädchen sitzen in einer Reihe und bewegen langsam Hände und Arme. "Das ist der Rudertanz", erläutert Freddy, "ein Sitztanz, bei dem die Mädchen nicht aufstehen dürfen." Die Männer und Frauen _ begleiten den Tanz durch einen seltsam klingenden Wechselgesang. Der Vorsänger schildert die Erlebnisse beim heutigen Wettkampf, und von Zeit zu Zeit fällt dann der Chor der anderen in den Sprechgesang ein. Jetzt wird anscheinend gerade unsere Hindernisfahrt "besungen" denn alle schauen uns an und lachen. Dann tanzen die Männer. Sie tragen kurze Röcke aus Flachsblättern und halten Speere in den Händen. So ruhig wie der Rudertanz der Frauen war, so wild und aufregend ist der Kriegstanz der Männer. Die erste Reihe der Tänzer ist etwa 15 Schritte von uns entfernt. Die Männer hocken in den Knien, kurze gellende Schreie ausstoßend.

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Mit dem Oberkörper schwingen sie hin und her, wie Kobras vor der Flöte des Fakirs. Und jetzt springen sie auf und stürzen - ihre Speere schwingend - auf uns zu! Einige Schritte vor uns halten sie und hocken sich nieder. Wieder wiegen sie die Oberkörper, lauter werden die Schreie, und noch einmal federn die Männer hoch, wie aus der Pistole geschossen! Die Gesichtszüge verzerren sich, jetzt stecken sie die Zungen heraus.

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